Die kollektive Schuld der Deutschen am Hitler-Regime und seinen Verbrechen war nach dem Zweiten Weltkrieg Gegenstand lebhafter Debatten. Gegenwärtig ist von Kollektivschuld kaum noch die Rede. Mit dem Wort ist aber nicht die Idee ausgestorben. Vielmehr ist sie, ausgestattet mit einem neuen Wortschatz, heute lebendiger denn je, sie ist sogar drauf und dran, zu einer Art Staatsreligion der Bundesrepublik zu werden.
Was vielfach übersehen wird: Der Kult mit der Schuld birgt auch ein höchst destruktives Potential, ja es schwebt die modernisierte Kollektivschuld-These wie eine radioaktive Wolke über allen Bereichen des öffentlichen Lebens und kontaminiert langsam aber sicher nicht nur Politik und Kultur, sondern auch unsere Demokratie- und Moralbegriffe.
Und in gewissen linken und politisch korrekten Kreisen offenbaren sich dem Psychologen klassische Selbsthass-Symptome. Das vorliegende materialreiche Buch dokumen¬tiert nüchtern und politisch unterhaltsam zugleich die Geburt einer neuen Erbsünde.
Heinz Nawratil ist in Studentenkreisen bekannt durch seine juristischen Taschenbücher, deren Gesamtauflage schon die Millionengrenze überschritten hat. Aus seiner Feder stammen aber auch zeitgeschichtliche Untersuchungen wie "Die deutschen Nachkriegsverluste" und "Schwarzbuch der Vertreibung 1945-1948".
256 S., 2002